Kann der Duft von Gardenia jasminoides, einer beliebten Zimmerpflanze, chemische Beruhigungsmittel wie Valium ersetzen? Die Ergebnisse einer Studie, an der auch der bekannte Bochumer Geruchsforscher Prof. Hanns Hatt beteiligt war, lassen dies zumindest vermuten. Die Wissenschaftler entdeckten, dass der Duftstoff Vertacetal-coeur und dessen chemische Variante (PI24513) den gleichen molekularen Wirkmechanismus haben wie die häufig verschriebenen Psychopharmaka. Diese verstärken die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs GABA (Gamma-Aminobuttersäure), indem sie an dessen Rezeptoren andocken, die an Kontaktstellen von Nervenzellen (Synapsen) im Gehirn liegen. „Wir haben eine neue Klasse von GABA-Rezeptormodulatoren entdeckt, die sowohl parenteral verabreicht als auch durch die Atemluft wirken“, sagt Prof. Hatt. „Man kann sich Anwendungen in der angstlösenden, beruhigenden, erregungs- und aggressionsdämpfenden oder schlafanstoßenden Therapie vorstellen.“ Und, mindestens ebenso wichtig: Die Ergebnisse lassen sich zugleich als „Nachweis einer wissenschaftlichen Grundlage der Aromatherapie“ sehen, wie der Zellphysiologe bestätigt. Die Forscher testeten mehrere hundert Duftstoffe hinsichtlich ihrer Wirkung auf GABA-Rezeptoren von Mensch und Maus. Das im jasminähnlichen Duft der Gardenienblüte enthaltene Vertacetal-coeur wirkte dabei am stärksten – ähnlich stark wie die bekannten Medikamente. Die Wissenschaftler haben sogleich ein Patent auf ihre Entdeckung angemeldet. Sie wollen nun versuchen, durch Veränderung der chemischen Struktur der Duftmoleküle eine noch stärkere Wirkung zu erzielen. Die Gardenie, bei uns früher wegen ihrer Nutzung auch „Knopflochblume“ genannt, stammt ursprünglich aus Ostasien. Sie wird als natürlicher Aromastoff in Tees verwendet und auch in der traditionellen chinesischen Medizin als Heilpflanze eingesetzt. Das ätherische Öl der Gardenie gibt es als Absolue oder Concrète aus China oder Indien, meist wird es jedoch synthetisch hergestellt.
Ruhr-Universität-Bochum; Journal of Biological Chemistry