Lavendelöl ist in der Aromatherapie als bewährtes Mittel vor allem gegen Schlafstörungen bekannt. Weniger bekannt ist, dass man Lavendelöl auch innerlich einnehmen kann und dass es so das Potenzial besitzt, als neues „Phyto-Anxiolytikum“ Angststörungen wirkungsvoll zu bekämpfen. Auf dem 7. Berliner Phytotherapie-Kongress im Herbst 2009 berichtete Siegfried Kasper von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Wien über die Ergebnisse neuer Studien zur Wirksamkeit von Lavendelöl gegen Angststörungen und sorgte damit für große Aufmerksamkeit. Getestet wurde ein neues Präparat namens Silexan. Es enthält nach Angaben des Herstellers durch Wasserdampfdestillation gewonnenes ätherisches Öl aus den Blüten von Lavandula angustifolia.
In einer multizentrischen Doppelblindstudie wurde das Lavendelöl mit dem Benzodiazepin Lorazepam verglichen. Über sechs Wochen erhielten Patienten mit generalisierter Angststörung einmal täglich eine Kapsel mit 80 mg Silexan. Das Ergebnis: Nach zweiwöchiger Einnahme hatte das Lavendelöl eine vergleichbare anxiolytische (angstlösende) Wirksamkeit wie Lorazepam (0,5 mg/d).
Damit hätten Angstpatienten eine gut verträgliche, nicht süchtig machende Alternative zu den nicht ungefährlichen „Benzo“-Beruhigungsmitteln, die ein hohes Suchtpotential haben. Als einzige Nebenwirkungen des Lavendelöls sind bisher häufiges Aufstoßen und leichte Magen-Darm-Beschwerden bekannt. Seit 1. Februar 2010 ist das Mittel rezeptfrei in Apotheken erhältlich.
Zeitschrift für Phytotherapie 2009, 30: 310–311; Spitzner Arzneimittel GmbH