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Wissenschaftler, die mit Kakerlaken arbeiten, tun sich nicht immer leicht damit, ernst genommen zu werden. Dabei mutet es fast wie Science-Fiction an, was Jean-Louis Deneubourg von der Freien Universität Brüssel in Zusammenarbeit mit der Ecole polytechnique fédérale (Lausanne) im Experiment herausfand:
Ein Miniroboter, getauft auf den Namen InsBot (von insect-robot), kann allein, ohne menschliches Eingreifen (!), das Verhalten einer ganzen Kakerlaken-Gesellschaft beeinflussen und verändern! Unter zwei Voraussetzungen: dass er erstens wie eine echte Kakerlake kriecht und zweitens wie eine solche duftet.
Pheromone machen es möglich, dass ein banaler, drei auf vier Zentimeter großer und mit Elektronik bestückter Würfel von einer Kakerlaken-Schar als Artgenosse behandelt wird und sogar das Verhalten der Gruppe bestimmen kann. So bevorzugen Kakerlaken normalerweise dunkle Räume als Aufenthaltsort. Doch wenn man eine bestimmte Anzahl von InsBot-Robotern unter die Krabbeltiere mischt und sie darauf programmiert, helle Orte aufzusuchen, dann sammelt sich die ganze Kakerlaken-Gesellschaft plötzlich am hellen Ort – nur um das Vergnügen zu haben, alle zusammen zu sein!
Abgesehen davon, dass ein Kammerjäger sich leichter tut, Ungeziefer an hellen Orten zu finden, eröffnet diese Entdeckung auch in anderen Bereichen neue Anwendungsmöglichkeiten. So wäre es vorstellbar, mit solchen pheromonbestückten Minirobotern intelligente Fallen zu bauen, oder automatische Vogelscheuchen, um beispielsweise Vögel von Flughäfen fernzuhalten, oder sogar künstliche Schäferhunde zur Überwachung von Herden. An einer künstlichen Henne wird unterdessen bereits gearbeitet. Sicher haben wir noch so manche Entdeckung zu erwarten im lange unterschätzten Reich der Düfte und der Pheromone!
Le Monde, 18./19.6.2006